Webseite des Monats: Nikons Firmenhistorie im Netz






Optisch schlicht, aber Information mit Tiefgang - 🔗 imaging.nikon.com/imaging/information/
Wer sich für die Geschichte japanischer Kameratechnik begeistert, findet bei Nikon eine wahre Fundgrube. Unter dem schlichten Titel „Information" pflegt der Hersteller einen umfangreichen historischen Bereich auf seinen Webseiten, der weit über die übliche Firmenkosmetik hinausgeht. Was hier zusammengetragen wurde, ist weniger Werbung als ein liebevoll gepflegtes Archiv, und gleich drei Rubriken lohnen den Besuch ganz besonders.
Das Glanzstück ist zweifellos „NIKKOR – The Thousand and One Nights", eine seit vielen Jahren fortgeschriebene Artikelreihe, die inzwischen auf 97 Folgen angewachsen ist. Verfasst werden die Beiträge von Nikons eigenen Konstrukteuren, allen voran Haruo Sato und Kouichi Ohshita, die jeweils ein einzelnes Objektiv aus der NIKKOR-Geschichte herausgreifen und dessen Entstehung schildern. Hier geht es nicht um Marketing, sondern um echte optische Konstruktionsgeschichte: Linsenschnitte, Gauß-Typen, die Bändigung chromatischer Aberration, die Entwicklung des ersten asphärischen SLR-Objektivs der Welt. Wer schon immer wissen wollte, warum das Noct-Nikkor 58mm f/1.2 unter Sammlern einen so legendären Ruf genießt, wie das extreme Weitwinkel 13mm f/5.6 konstruiert wurde oder welche Überlegungen hinter dem berühmten 105mm f/2.5 standen, der liest hier aus erster Hand und mit spürbarer Leidenschaft. Es ist ein seltener Glücksfall, dass ein Hersteller seine Ingenieure derart ausführlich und fachkundig zu Wort kommen lässt.
Die zweite Rubrik, die „Camera Chronicle", widmet sich den Gehäusen. Sie versammelt die Geschichte der Messsucher-Nikons, die große Entwicklungslinie der Spiegelreflexmodelle von der bahnbrechenden Nikon F über F2, F3 und F4 bis zur F5, dazu die Evolution der NIKONOS-Unterwasserkameras und Sonderserien wie die Titan-Modelle und die für die NASA gefertigten Kameras. Besonders charmant ist die Reihe „Legendary Nikons", die die Firmengeschichte in zwölf erzählerischen Folgen und mit einem feinen Augenzwinkern aufrollt, und die „Best of the Rest", die sich jenen weniger bekannten Modellen widmet, den „Nikon-Cousins", die sonst gern im Schatten der berühmten Geschwister verschwinden: die NIKKOREX-Reihe, die Nikomat-Modelle und manch anderes, das in keiner Bestenliste auftaucht und doch seinen Platz in der Geschichte verdient hat.
Die dritte Rubrik schließlich, „Our Product History", bietet eine durchgehende Produktchronik von den 1940er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart, übersichtlich nach Jahrzehnten geordnet und mit Produktfotos sowie kurzen technischen Beschreibungen versehen. Wer eine bestimmte Kamera oder ein Objektiv zeitlich einordnen möchte, findet hier rasch verlässliche Eckdaten, und nebenbei lässt sich trefflich nachverfolgen, wie aus dem optischen Pionier von einst der heutige Digitalkonzern wurde.
Eine kleine Anmerkung sei uns gestattet, gerade in einem Jahr, in dem wir das Zeiss-Ikon-Jubiläum begehen und uns ausgiebig mit dieser großen Tradition beschäftigen: Man darf durchaus den Wunsch hegen, auch andere Häuser von vergleichbarem historischem Gewicht würden ihre reiche Vergangenheit eines Tages mit ähnlicher Tiefe und technischer Ernsthaftigkeit aufbereiten, wie Nikon es hier vormacht. Das ist kein Vorwurf, denn jedes Unternehmen setzt seine Schwerpunkte anders, und gerade zu Zeiss gibt es ja an anderer Stelle, nicht zuletzt durch die Arbeit engagierter Sammler und Autoren, hervorragende Quellen. Doch Nikon zeigt eindrucksvoll, dass Firmenhistorie weit mehr sein kann als eine Hochglanz-Zeitleiste: nämlich ein fortlaufendes Bekenntnis zum eigenen Handwerk, geschrieben von denen, die es ausüben.
Ein Besuch sei jedem ans Herz gelegt, der Kameratechnik nicht nur sammeln, sondern auch verstehen möchte. Man kommt selten ohne neue Erkenntnis wieder zurück, und so manche Stunde vergeht beim Stöbern wie im Flug.
🔗 imaging.nikon.com/imaging/information/