Mit über 300 Sachen nach Bièvres

Es gibt Reisen, die beginnen schon auf der Fahrt zu etwas Besonderem. Anfang Juni machten Stephan Baedeker, Walter Jekat und ich uns auf den Weg nach Bièvres, jenem Ort südlich von Paris, an dem sich einmal im Jahr die größte Fotobörse der Welt entfaltet. Und schon der Weg dorthin geriet uns zum Erlebnis.
Von Mannheim aus brachte uns der ICE in weniger als drei Stunden bis nach Paris, über weite Strecken mit mehr als 300 Stundenkilometern. Wer die Landschaft an sich vorbeiziehen sieht, während der Zug so ruhig dahingleitet, als stünde er still, der mag kaum glauben, mit welcher Geschwindigkeit er reist. Ein kleines Wunder der Technik, das uns dreien als bekennenden Liebhabern feiner Mechanik ein stilles Lächeln auf die Lippen trieb.







In Bièvres selbst erwarteten uns rund 150 Stände aus ganz Europa, ausgebreitet unter freiem Himmel im Stadtpark. Diese besondere Kulisse macht einen guten Teil des Zaubers aus: Man schlendert zwischen alten Bäumen von Tisch zu Tisch, das Auge stets zwischen Kameras und Grün gefangen. Der Samstagvormittag empfing uns noch kühl und feucht, doch im Laufe des Wochenendes wurde es zusehends freundlicher, und der Sonntagnachmittag schenkte uns schließlich einen perfekten Sommertag.
Das Bild der Aussteller hätte vielfältiger kaum sein können. Wir sahen bekannte Händler aus ganz Europa mit zum Teil riesigen Ständen, daneben aber auch Privatleute, die ihre Schätze schlicht auf einer Decke im Gras ausbreiteten. Die Spanne reichte von unbezahlbaren Raritäten im fünfstelligen Bereich bis zu Grabbelkisten, in denen das Stück fünf oder zehn Euro kostete. Wer hier mit offenen Augen sucht, der wird auf jedem Niveau fündig.
Natürlich sahen wir alle Klassiker, die das Sammlerherz erwartet. Doch ebenso entdeckten wir eine breite Auswahl fantastischer Apparate, die selbst uns neu waren, gerade im Bereich der Holzkameras und der französischen Hersteller. Gut vertreten waren auch Händler mit Fotobüchern und ganzen Fotosammlungen. Besonders reizvoll fanden wir die Neuhersteller, die das alte Handwerk der Holzkamera bis heute pflegen, und einen Spezialisten, der sich ganz der Restaurierung von Polaroid-SX-70-Kameras verschrieben hat.
Bei so viel Fülle tat zwischendurch eine Pause gut. Eine Tasse Kaffee im Stadtcafé, ein Moment der Erholung von der freudigen Reizüberflutung, war redlich verdient. Am stärksten aber wirkten, wie so oft, die Begegnungen. Wir trafen zufällig etliche Clubmitglieder und manch anderes bekanntes Gesicht, knüpften aber auch viele neue Bekanntschaften. Die Gastfreundschaft unseres französischen Schwesterclubs Niépce-Lumière war dabei unvergleichlich: Ein Apéro am Sonntagmittag, ein hervorragender Rotwein und feine Knabbereien, mitten auf einer riesigen Fotobörse bei strahlendem Sonnenschein, das hat etwas, das man so schnell nicht vergisst.
Wer Bièvres einmal erlebt hat, der versteht, warum man wiederkommt. Wir jedenfalls haben es fest vor.