Editorial Juni 2026

Liebe Mitglieder,
manchmal verdichtet sich ein ganzes Vereinsjahr in zwei Tagen. Anfang Juni reiste ich zum ersten Mal nach Bièvres, in jenen Ort südlich von Paris, an dem sich einmal im Jahr die größte Fotobörse Europas entfaltet. Walter Jekat und Dr. Stephan Baedeker waren an meiner Seite, und gemeinsam tauchten wir ein in ein Gewimmel aus Ständen, Stimmen und Gerätschaften, das einen rasch das Staunen neu lehrt.
Doch es waren nicht die Kameras und Photographica, die mir am stärksten in Erinnerung blieben, so verlockend die Auslagen auch waren. Es waren die Menschen. Bièvres wimmelte von allen Sprachen der Welt und war für ein kurzes Wochenende wahrhaftig das Epizentrum der Kamerasammlerwelt. Wir vertieften unsere Zusammenarbeit mit unserem französischen Partnerverein Club Niépce-Lumière, der uns mit berührender Gastfreundschaft empfing, und trafen zugleich etliche deutsche Clubmitglieder, Händler und vertraute Gesichter wieder. Eine Börse ist eben weit mehr als ein Marktplatz. Sie ist ein Ort der Begegnung, an dem sich Sammler über alle Ländergrenzen hinweg als das erkennen, was sie sind: Bewahrer einer gemeinsamen Geschichte.
Eine dieser Begegnungen möchte ich besonders hervorheben. Mit Jim McKeown, der unserem Club seit vielen Jahren angehört und dessen McKeown’s Camera Encyclopedia Generationen von Sammlern begleitet hat, stehen wir seit geraumer Zeit in engem Kontakt. In Bièvres haben wir nun den nächsten Schritt getan. Club Daguerre wird sein massiv erweitertes Lebenswerk künftig online beheimaten und betreiben, während die redaktionelle und kommerzielle Verantwortung bei ihm verbleibt, und für unsere Mitglieder soll der Zugang frei sein. Ich bitte Sie um Geduld, denn dies ist ein langfristiges Vorhaben, vor 2027 wird es nichts zu sehen geben. Ein Werk dieser Bedeutung verdient Sorgfalt vor Eile.
Wie sehr Bièvres uns bewegt hat, zeigte sich wenige Tage später bei unserem zweiten virtuellen Stammtisch, zu dem neunzehn Teilnehmer zusammenkamen. Wir berichteten von der Reise, zeigten Fotos und Videos und spürten, wie ansteckend die Begeisterung war. Solche Kontakte verbinden uns auch dann, wenn die Wege zu weit für ein persönliches Treffen sind.
So richte ich den Blick bereits nach vorn. Ende August treffen wir uns in Mannheim zu unserem Jahrestreffen, und meine Vorfreude darauf ist seit Bièvres nur gewachsen. Denn was dort im Großen geschah, das Wiedersehen und das Kennenlernen, das wünsche ich uns auch im eigenen Kreis, eingebettet in das Zeiss-Ikon-Jubiläum, das uns in diesem Jahr begleitet. Und eines steht schon jetzt fest: Im nächsten Jahr sind wir wieder in Bièvres dabei. Ich spiele sogar mit dem Gedanken, gemeinsam mit befreundeten deutschen Vereinen einen Ausflug dorthin zu organisieren, mit gemeinsamer Anreise per TGV/ICE aus dem Rhein-Main-Gebiet. Hätten Sie Interesse, freue ich mich über eine kurze Rückmeldung an [email protected].
Bièvres hat mir aufs Neue gezeigt, woraus dieser Club seine Kraft schöpft. Nicht aus den historischen Geräten, Büchern und Fotos, so sehr wir sie lieben, sondern aus den Menschen, die sich um sie versammeln. Alte Freunde, neue Freunde, und die Vorfreude darauf, sie alle bald wiederzusehen.
Ihr
Klaus Herrmann
Vorsitzender des Club Daguerre e.V.