Breidenbachs A–Z der japanischen Kameraindustrie
Manchmal entsteht aus dem persönlichen Interesse eines Einzelnen etwas, das weit über den ursprünglichen Zweck hinauswächst. Roland Breidenbach aus Dülmen, langjähriges Mitglied des Club Daguerre, begann irgendwann damit, sich Notizen über die japanische Kameraindustrie zu machen. Nicht für die Öffentlichkeit, nicht für eine Publikation, sondern schlicht, um sich selbst einen Überblick zu verschaffen über eine Industrie, die die Fotografie des 20. Jahrhunderts wie keine andere geprägt hat.
Diese Notizen wurden über die Jahre zu einem kleinen Nachschlagewerk von beachtlicher Tiefe. Und dieses Nachschlagewerk hat Roland Breidenbach nun dem Club Daguerre zur Verfügung gestellt. Unter https://club-daguerre.eu/japan/ ist es ab sofort online zugänglich.
Ein Werk aus Leidenschaft
Was Breidenbachs Zusammenstellung auszeichnet, ist nicht allein die sachliche Kompetenz, sondern der persönliche Blick. Die Einträge, die er beigesteuert hat, sind keine trockenen Lexikoneinträge. Sie erzählen Geschichten: von Canon, das als Leica-Nachbau begann und den Weltmarkt eroberte; von Cosina, das im Verborgenen Kameras für Dutzende westlicher Handelsmarken fertigte; von Zenza-Bronica, das es wagte, Hasselblad auf dem eigenen Terrain herauszufordern. Und sie erzählen von den Vergessenen: von Yallu Optical, Shinko Seiki, Motodori Shashin Kikai, kleinen Werkstätten der Nachkriegsjahre, die heute kaum mehr als einen Namen in alten Anzeigen hinterlassen haben.
Viele dieser Einträge sind mit Abbildungen illustriert, die Breidenbach selbst zusammengetragen hat. Das gibt der Seite den Charakter einer persönlich kuratierten Sammlung, hinter der Jahrzehnte des Sammelns, Lesens und Nachdenkens stehen.
Unpubliziertes Wissen zugänglich machen
Wer die Aktivitäten des Club Daguerre verfolgt hat, kennt unsere Initiative zur Bewahrung gefährdeter Webseiten, von dresdner-kameras.de über phototechnik-online.de bis zu weiteren fotohistorischen Ressourcen, die drohten, im digitalen Nirwana zu verschwinden. Dort geht es um die Rettung bereits vorhandener, aber bedrohter Inhalte.
Breidenbachs A–Z ist etwas anderes, und doch verwandt. Hier wird Wissen erstmals überhaupt öffentlich zugänglich gemacht, das bislang in privaten Aufzeichnungen schlummerte. Kein Internetarchiv hätte diese Seite entdeckt, sie existierte schlicht noch nicht. In gewissem Sinne ist das die konsequente Fortsetzung desselben Gedankens: Fotohistorisches Wissen, gleich ob gefährdet oder noch unveröffentlicht, verdient einen dauerhaften, öffentlichen Ort. Dass Roland Breidenbach diesen Schritt gegangen ist und seine Arbeit geteilt hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine Geste der Großzügigkeit gegenüber der gesamten Sammlergemeinschaft.
Die Seite
Die technische Umsetzung durch den Club Daguerre hat aus Breidenbachs Material eine alphabetisch gegliederte Webanwendung gemacht. Seine illustrierten Einträge bilden Grundlage und Herzstück der Seite. Wer darüber hinaus stöbern möchte, findet ergänzend weitere Herstellerbeschreibungen aus laufenden Vereinsrecherchen.
Roland Breidenbach selbst formuliert es mit der ihm eigenen Bescheidenheit: „Diese Einträge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sind eine Einladung zum Stöbern."
Wir meinen: Es ist mehr als das. Es ist ein Stück gelebter Fotogeschichte, das ohne Roland Breidenbachs jahrelange Neugier, Sorgfalt und Großzügigkeit nicht existieren würde. Dafür gilt ihm unser aufrichtiger und herzlicher Dank.
https://club-daguerre.eu/japan/
Roland Breidenbach befindet sich derzeit nach einer Operation in der Reha. Wir wünschen ihm von Herzen gute Erholung und eine schnelle Genesung und freuen uns darauf, dass er die fertige Seite bald in aller Ruhe genießen kann.